Das Land, wo Milch und Honig fließt / Milch und Honig versprechen?

1923 – ein Dorf in der Altmark. In der Küche wird ein Brief aus Chicago vorgelesen, schon zum zehnten Mal. Der Onkel schreibt: Arbeit gibt es für jeden, Fleisch jeden Tag, und die Häuser sind höher als der Kirchturm. Amerika. Das Land, wo Milch und Honig fließt. Milch und Honig. Aus heutiger Sicht klingt das ziemlich bescheiden.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten

Morgens um sieben vibriert das Handy. Und vibriert. Und vibriert. Dreihundert Benachrichtigungen über Nacht. Der Grund liegt ein paar Stunden zurück: abends auf dem Sofa, irgendein Video, ein fremdes Gesicht. Jemand tippt einen Kommentar, richtig gemein, richtig persönlich. Zehn Sekunden, abgeschickt, vergessen. Jetzt antwortet ihm das halbe Internet wütend. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

Im Schweiße deines Angesichts

Umzugstag. Vierter Stock, kein Aufzug. Ausgerechnet die Kiste mit den Büchern kommt zum Schluss; die schwerste von allen. Oben wuchtet der Schwager sie in den Flur, wischt sich mit dem Ärmel über die Stirn und stöhnt: „Im Schweiße meines Angesichts!“ Er sagt das halb stolz und halb als Klage. Es ist ein Bibelzitat, fast Wort für Wort.

Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein

Der große Bruder baut die Falle am Nachmittag: ein Becher Wasser, oben auf der Kinderzimmertür, fein ausbalanciert. Dann kommt sein Kumpel vorbei. Zwei Stunden später hat er den Becher vergessen und tappt in seine eigene Falle. Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Ein Jünger der ersten Stunde

Wer einer Idee von Anfang an folgt, treu, lange bevor sie groß wird, der ist ein Jünger der ersten Stunde. Die ersten Fans von einer Band, die schon damals im Jugendzentrum kein Konzert verpasst haben. Oder der Mitarbeiter, der schon dabei war, als die Firma ihren Hauptsitz noch in der Garage hatte, das sind Jünger der ersten Stunde.

Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut

„Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut.“ Der Spruch fällt meistens, wenn irgendwo Chaos herrscht. Im Büro, in der Politik, in einer Behörde: Die eine Abteilung verspricht etwas, die andere weiß von nichts. Kurz: Niemand hat den Überblick.

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert

Wer den Cent nicht ehrt, ist des Euros nicht wert. Den Satz kennt jeder, so oder ähnlich. Er fällt beim ersten Sparschwein in der Kindheit oder wenn jemand 2 Cent auf dem Boden findet und aufhebt. Eine kleine Lehre vom Sparen, schnell gesagt und schnell geglaubt.

Den Splitter im Auge des anderen sehen (Balken vorm Auge/ Brett vorm Kopf)

Am Küchentisch geht es um den Nachbarn, der schon wieder zu laut Musik hört – und im selben Moment dreht der eigene Sohn die Boxen auf. Manchmal sehen wir bei anderen ganz genau, was im eigenen Wohnzimmer gerade passiert und trotzdem nicht auffällt. Dafür gibt es eine Redewendung, die fast jeder kennt: den Splitter im Auge des anderen sehen, aber den Balken im eigenen nicht erkennen.

Im siebten Himmel sein

Verliebte schweben im siebten Himmel. Eltern, die ihr Kind das erste Mal im Arm halten, sind im siebten Himmel. Und wer nach Jahren des Sparens endlich vor seinem eigenen Häuschen steht – auch der ist im siebten Himmel. Größeres Glück geht nicht. Aber warum eigentlich der siebte? Warum nicht der dritte oder der zwölfte?

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